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IT  Institut für Therapie und Beratung an der HAWK Hildesheim/ Holzminden/ Göttingen

Chronische Rückenerkrankungen und ihre mentale Beeinflussung

 

Anatomie des Rückens

 

Der Rücken ist Teil unseres Bewegungsapparates. Unter Bewegungsapparat verstehen wir die durch Gelenke verbundenen Knochen des Skeletts einschließlich der sich bewegenden Muskeln und Sehnen. Er dient vor allem der Fortbewegung sowie dem Schutz und der Stütze der Organe.

Um die Statik mit dem aufrechten Gang des Menschen zu ermöglichen hat die Evolution ein besonderes Kunststück bewerkstelligt. Eine Kette von optimal angeordneten Einzelknochen balanciert in einer eleganten S-förmigen Krümmung den Kopf, stützt den Oberkörper und stellt die Verbindung zu den Beinen her. Stabilisiert wird dieser bewegliche Stab - die Wirbelsäule - durch eine bis ins kleinste durchdachte Anordnung von Bändern und Muskeln.

Die menschliche Wirbelsäule besteht aus drei Abschnitten (Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule) mit insgesamt 24 Wirbeln. Sie ist von zahlreichen Muskelsträngen umgeben, die Bewegungen und aufrechte Haltung ermöglichen.

Durch den besonderen Aufbau der Wirbel hat die Natur gewährleistet, dass die Wirbelsäule sowohl ihre Stütz- als auch ihre Bewegungsaufgaben optimal wahrnehmen kann. Die wichtige Stützfunktion übernimmt der Wirbelkörper, der außen durch harte Knochensubstanz begrenzt und innen mit gewichtsparendem Schwammknochen gefüllt ist. Die Bewegungsfunktion übernehmen die kleinen Zwischenwirbelgelenke, die über Fortsätze des Wirbelbogens am Wirbelkörper befestigt sind. Die Summe aller Wirbelbögen bildet den Wirbelkanal, der das Rückenmark vor Verletzungen schützt.

Durch Aussparungen im Wirbelbogen treten - in unmittelbarer Nähe zu den zwischen der Wirbeln liegenden Bandscheiben - die dicken Nervenwurzeln aus. Über diese Nervenleitungen werden Nervenimpulse vom Körper zum Gehirn transportiert bzw. Nervenimpulse des Gehirns in den Körper geleitet.

Damit die Wirbel nicht direkt aufeinander drücken und die starken Kräfte, die auf dem Rücken lasten, abgefangen werden, hat die Natur Stoßdämpfer ins Rückgrat eingebaut: die Bandscheiben. Wie Wasserkissen liegen die von Bändern festgehaltene Zwischenwirbelscheiben zwischen den knöchernen Wirbeln und dämpfen Erschütterungen und Druckbelastungen aller Art. Nebenbei bilden die verformbaren Pufferscheiben zusammen mit den darüber- und darunter liegenden Wirbelkörpern je ein Bewegungselement und tragen dadurch zur Beweglichkeit des Rückgrats bei. Anatomisch besteht eine Bandscheibe aus einem festen äußeren Ring, dem Faserring, und einem weichen, flüssigkeitsreichen Mittelteil, dem Gallertkern.

Über den Tag muss eine Bandscheibe ziemlich viel aushalten. Messungen an Bandscheiben der Lendenwirbelsäule (LWS), zeigen hohe Druckbelastungen auch bei einfachen Tätigkeiten. So lasten zum Beispiel durch bestimmte Hebelwirkungen schon beim Stehen über 100 kg auf den Pufferelementen der LWS, beim Sitzen bis zu 175 kg und beim Hochheben einer Last aus gebückter Haltung heraus über 223 kg! Bei Übergewicht liegen die Werte entsprechend höher.

Derartig hohe Belastungen pressen gewissermaßen den "Saft" aus der Scheibe. Sie verliert im Laufe des Tages an Flüssigkeit und Höhe. Das heißt: Wir werden kleiner. Über Nacht tankt sie sich jedoch wieder mit Flüssigkeit voll, so dass wir am Morgen wieder die normale Größe haben.

 

Rückenbeschwerden

 

Ein alterungsbedingter Wirbelsäulenverschleiß ist natürlich und führt nicht automatisch zu Rückenbeschwerden. Diese werden meist dadurch hervorgerufen, dass wir Wirbelsäule und Rückenmuskulatur durch unsere Lebensweise entweder zu wenig (sitzende Schreibtischtätigkeit, Freizeit vor dem Fernseher) oder falsch (einseitige Bewegungen und Belastungen, falsches Tragen und Heben) bewegen. Dadurch kommt es zu verschiedenen Symptomen wie z.B. Nacken- und Schulterschmerzen, Nackensteife, Kreuzschmerzen, Schwierigkeiten beim Bücken, Hexenschuss und Ischiasbeschwerden (Reizung des Ischiasnervs durch z.B. Bandscheibenvorfall, mit Ausstrahlung des Schmerzes).

 

Verursacht werden diese Beschwerden durch verschiedene Mechanismen. Meist sind die Knochen der Wirbelsäule nicht ursächlich für den Schmerz. Vielmehr kommt es häufig durch Verrenkungen der kleinen Wirbelgelenke (z.B. durch ungeschickte, plötzliche Bewegungen) oder Fehlbelastungen zu schmerzhaften Verspannungen der Rückenmuskulatur, die durch Schmerz und Schonhaltung die zugrunde liegende Fehlhaltung noch verstärken. Die Folge: Die Muskeln werden angespannt, um die Gelenkverbindungen zu entlasten. Die Schmerz-Spirale beginnt: Die Muskeln sind verspannt, die Beschwerden nehmen zu, die Muskeln verspannen sich weiter. So entsteht ein Teufelskreis, der die Schmerzen immer weiter verschlimmert und zu chronischen Beschwerden führen kann.

 

Spezielle Erkrankungen

 

Bandscheibenvorfall

Es reißt der äußere Faserring der Bandscheibe ( z.B. durch falsches Heben schwerer Gegenstände oder durch altersbedingte, degenerative Gewebeschäden) und der Gallertkern quillt vor. Dabei drückt er häufig auf Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmark austreten. Dies verursacht heftige Schmerzen, die zum Teil in Gesäß und Bein ausstrahlen. Hexenschuss und Ischiasbeschwerden können Vorboten oder Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls sein. Er tritt meist in der Lendenwirbelsäule auf.

 

Spondylose

Bei der Spondylose handelt es sich um die Abnutzung (Arthrosen) der Wirbelkörper und Zwischenwirbelscheiben. Es kann zu Bewegungsschmerzen kommen, die ausstrahlen.

 

Morbus Scheuermann

Sie ist die häufigste Schädigung der jugendlichen Wirbelsäule, kann sich jedoch auch noch im späteren Lebensalter entwickeln. Es kommt zu degenerativen Veränderungen der Wirbelkörper (Keilformbildung). Auch wenn die Erkrankung häufig mit dem 18. Lebensjahr zum Stillstand kommt, bleiben die Veränderungen bestehen. Die Betroffenen leiden an Rückenschmerzen und neigen zu Bandscheibenvorfällen.

 

Rheumatische Erkrankungen

Rheuma kommt aus dem Griechischen und bedeutet eigentlich einen ziehenden, reißenden Schmerz. Heute verstehen wir darunter alle Krankheiten im Bereich des Bewegungsapparates (z.B. Gelenke, Gelenkkapseln, Wirbel, Knochen, Muskulatur oder Sehnen), die nicht durch eine Verletzung oder durch tumoröse Veränderungen hervorgerufen worden sind.

"Rheuma" ist damit keine Diagnose im engeren Sinne, auch keine einheitliche Krankheit. Vielmehr fallen unter den Oberbegriff "Rheuma" etwa 400 einzelne Erkrankungen, die sich zum Teil ähneln, die aber zum Teil auch völlig unterschiedlich sind, in ihrer Ursache, der Art ihrer Symptome, aber auch in ihrem Verlauf, in ihrer Behandlung und in ihren Folgen.

 

Man unterscheidet folgende Erkrankungstypen:

Weichteilrheumatismus. Muskeln, Bänder, Sehnen und Schleimbeutel sind schmerzhaft verändert.

Degenerative Rheumaformen, z.B. Arthrose. Durch Abnutzung kommt es zu Verschleißerscheinungen an den Gelenken, diese schwellen an und schmerzen und werden im weiteren Verlauf in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt.

Entzündliche Rheumaformen, z.B. akuter Gelenkrheumatismus (rheumatisches Fieber) oder chronische Arthritis (rheumatoide Arthritis oder Polyarthritis). Beide Erkrankungen sind Autoimmunerkrankungen, d.h. Abwehrstoffe des Immunsystems greifen Bindegewebe und Knochensubstanz an. Es kommt zu Entzündungen der Gelenke mit Schmerzen, Schwellungen und Steifheit. Bei beiden Erkrankungen können auch innere Organe betroffen werden.

 

Entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen

(Seronegative Spondarthritiden - Morbus Bechterew und verwandte Krankheiten)

Entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen betreffen bereits jüngere Menschen. Der Erkrankungsbeginn liegt oft im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, häufig sogar noch früher. Typisch ist der Rückenschmerz vom entzündlichen Typ.

Er tritt vor allem in Ruhe auf und entwickelt sich besonders im Laufe der Nacht und in den frühen Morgenstunden oder manchmal auch erst kurz vor dem Aufstehen. Wenn die Erkrankung sehr aktiv ist, werden die Rückenschmerzen derart stark, dass man es im Bett nicht mehr aushält und aufstehen muss. Unter der Bewegung nehmen die Schmerzen dann wieder etwas ab.

 

Psychische Aspekte

 

Rückenbeschwerden werden jedoch nicht nur durch organische Störungen verursacht, auch psychosoziale Faktoren können ins „Kreuz“ gehen. So scheint Stress eine bedeutsame Rolle zur Bildung von Rückenbeschwerden zu spielen. Werden wir z.B. durch Lärmbelästigung oder beim Autofahren Stress ausgesetzt, so kommt es zur Kontraktion von Muskeln im Körper. Können sich die Muskeln nicht mehr entspannen, weil permanent neue Stress-Situationen folgen, führt das zu chronischen schmerzhaften Verspannungen und Muskelverhärtungen, die nicht nur den Rücken betreffen sondern sich auch als Sekundärbeschwerden durch Kopf- und Nackenschmerzen bis hin zu Problematiken im Schulter-Arm-Bereich bemerkbar machen können.

 

Ähnliche Auswirkungen können seelische Belastungen haben: So sind Partner- oder andere Familienkonflikte, Konflikte oder Überlastung am Arbeitsplatz, Leistungsdruck und Selbstüberschätzung häufig Auslöser für Verspannungen und Rückenbeschwerden. Die Betroffenen fühlen sich permanent überfordert. Sie haben einfach zu viel zu "tragen“ oder bürden sich zuviel auf. Anschaulich wird das auch durch Redewendungen wie: Probleme "drücken" und Sorgen "belasten" uns. Schwere Niederlagen "brechen uns das Kreuz". Verantwortung tragen wir "auf unseren Schultern" oder müssen dafür einen breiten Rücken haben". Negative Ereignisse ziehen uns "runter". Mal den Kopf "hängen" lassen, aus dem "Gleichgewicht" geraten oder "Haltung" bewahren. Das Ganze "verkrampft" oder "locker" sehen. 

Einen weiteren Zusammenhang haben Forschungsstudien bei Rückenbeschwerden und depressiver Verstimmung herausgefunden. Depressive Zustände können Verspannungen und dadurch Rückenbeschwerden verursachen. Es ist aber auch vorstellbar, dass chronische Rückenbeschwerden zu Gefühlen von Hoffnungs- und Hilflosigkeit und schließlich zu Depressionen führen können.

 

Und welche Effekte hat das HGT im klinischen Test (siehe entsprechende Artikel)?

 

  • Durch das HGT werden Erschöpfung, Stress, innere Anspannung und negative Emotionen - Bedingungen, die die körpereigene Abwehr behindern - abgebaut;
  • Erholung, Energie und positive Lebenseinstellung nehmen zu. Teilnehmende können Verfahren zur positiven Beeinflussung ihrer Gesundheit  (Visualisierungen...) anwenden.
  • Sie können sich besser entspannen und sind in besseren emotionale Zuständen.
  • Veränderungen werden auch in den Alltag übernommen.
  • Die Beurteilung des körperlichen und psychischen Befindens und die Zufriedenheit mit der Gesundheit nehmen signifikant zu.
  • Teilnehmende beurteilen das HGT überwiegend sehr positiv.